Passen Sie die Maissorte an das Leistungsniveau an: Über 10.000 Liter Fokus auf Stärke/Stärkeertrag, bis 10.000 Liter Restpflanzenverdaulichkeit plus Stärke – Ernte- und Silomanagement entscheiden mit über den Effekt.
Eine Ration für alle?
Eine einheitliche Ration für Herden mit sehr unterschiedlichem Leistungsniveau kann Leistung kosten. Was bei 7.000 Litern passt, kann bei >10.000 Litern subklinische Pansenazidose auslösen. Ein wirksamer Ansatz kann die Sortenwahl nach Leistungsniveau sein. Wir zeigen, wie Sie den Pansen als Motor nutzen. Entscheidend ist, welche Energieform wann wirkt. Stärke kann schnell verfügbare Energie liefern. Die Faser kann kontinuierlich Energie liefern. Beides braucht das Management: passendes Erntefenster, richtiger Aufschluss, saubere Silierung. So unterstützen Sie Futteraufnahme, Pansenstabilität und Milchleistung.
Über 10.000 Liter: Stärke first
Über 10.000 Liter zählt der Stärkegehalt und vor allem der Stärkeertrag. Die Trockenmasseaufnahme ist physiologisch limitiert (ca. 22 bis 25 kg TM/Tag). Ziel ist eine möglichst hohe Energiedichte. Stärke passiert schnell, versorgt Pansen und Dünndarm. Achten Sie auf das Risiko bei über 25 – 28 % Stärke in der Gesamtration. Steuern Sie mit Ernte bei 32 – 35 % Gesamt-TS und gutem Kornaufschluss. Stärkebetonte Sorten wie PRIVAT, BAZUK, BULLINGA und BISMARK können kräftige Kolben mitbringen.
Bis 10.000 Liter: dNDF plus Stärke
Bis 10.000 Liter zählt die Kombination aus Restpflanzenverdaulichkeit und Stärke. Die dNDF kann pansensynchron Energie liefern und zu einem stabilen pH-Wert im Pansen beitragen. So harmonisieren Sie grasbetonte Rationen mit moderatem Maisanteil. BELUGA bringt laut Sortenbroschüre eine hohe Restpflanzenverdaulichkeit mit – im LWK Schleswig-Holstein Silomais 2025 mit ELOS-Verdaulichkeit rel. 103. Planen Sie den Erntezeitpunkt etwas früher (ca. 30 – 33 % TS), um die Zellwände hoch verdaulich einzulagern. So bleibt die Faser der Motor für Aufnahme und Milch.
Erntefenster und Aufschluss
Das Erntefenster entscheidet mit über die Leistung. Für stärkebetonte Rationen ernten Sie bei 32 – 35 % Gesamt-TS. Das Korn befindet sich dann meist in der Teigreife und lässt sich mit dem Cracker gut aufschließen. Vermeiden Sie über 38 % TS: glasige Körner können teilweise unverdaut passieren. Für dNDF-betonte Rationen häckseln Sie früher bei ca. 30 – 33 % TS. Nutzen Sie Häcksellängen von 6 – 8 mm (ohne Cracker) bzw. 10 – 12 mm (mit Cracker). So kombinieren Sie Verdichtung und Strukturwirkung im Pansen.
Silierung und aerobe Stabilität
Stärkereiche Silagen erwärmen schneller nach. Die leicht verfügbare Stärke füttert Hefen und Schimmel. Verdichten Sie daher besonders sorgfältig (mindestens 250 kg TM/m³). Sichern Sie im Sommer einen Vorschub von mindestens 2,5 m pro Woche. Heterofermentative Siliermittel mit Lactobacillus buchneri können die aerobe Stabilität je nach Silage verlängern – achten Sie auf DLG-geprüfte Mittel der Wirkungsrichtung 2. Bei RPV-betonten Silagen ist die Nacherwärmungsgefahr geringer, doch die Grundregeln gelten. Halten Sie die peNDF bei mindestens 32 % der NDF.
Wirtschaftlichkeit steuern
Was eine passende Genetik wert sein kann, zeigen zwei unverbindliche Rechenbeispiele mit angenommenen Werten – betriebsindividuell zu prüfen. Rechenbeispiel 1: Je Prozentpunkt höherer NDF-Verdaulichkeit nennt die Fütterungsliteratur rund 0,25 kg mehr Milch je Kuh und Tag (Oba & Allen, Journal of Dairy Science 1999). Bei angenommen 100 Kühen, 305 Melktagen und 0,42 €/kg Milch wären das rechnerisch 7.625 kg Milch bzw. rund 3.200 € im Jahr. Rechenbeispiel 2: Stärke vom eigenen Feld kann Zukauf ersetzen – bei angenommen 1,5 t/ha zusätzlicher Stärke und einem Zukaufwert von 240–280 €/t entspräche das rechnerisch rund 360–420 €/ha. BULLINGA erreicht im LSV NRW Silomais mittelfrüh 2025 einen Stärkeertrag von rel. 103,5 und einen Stärkegehalt von rel. 107 – mit Quelle im Sortenporträt.
PRAXIS-TIPPS
- Planen Sie die Sorten strikt nach Leistung: Über 10.000 Liter Fokus auf Stärke/Stärkeertrag, bis 10.000 Liter Restpflanzenverdaulichkeit plus Stärke.
- Ernten Sie stärkebetonte Bestände bei 32 – 35 % Gesamt-TS und stellen Sie einen guten Kornaufschluss sicher (Cracker).
- Vermeiden Sie Ernte über 38 % TS: glasige Körner können teilweise unverdaut passieren – die Stärke geht dann mit dem Kot verloren.
- Häckseln Sie dNDF-betonte Bestände früher (ca. 30 – 33 % TS), um die Zellwandverdaulichkeit möglichst hoch zu halten.
- Verdichten Sie Stärke-Silagen mindestens auf 250 kg TM/m³ und halten Sie im Sommer 2,5 m Vorschub pro Woche.
- Bei Stärke-Silagen können heterofermentative Siliermittel (Lactobacillus buchneri) die aerobe Stabilität je nach Silage verlängern – achten Sie auf DLG-geprüfte Mittel der Wirkungsrichtung 2.
- Sichern Sie Struktur: peNDF mindestens 32 % der NDF; Häcksellänge 6 – 8 mm (ohne), 10 – 12 mm (mit Cracker).
Zahlen sind Praxis- und Richtwerte, Wirkungen hängen von Standort, Jahr und Bewirtschaftung ab – betriebsindividuell zu prüfen.

