Mykotoxin-Vorsorge beginnt auf dem Feld: Kolbenhygiene, Stängelgesundheit und HTR-Toleranz können das Risiko von Fusarium-Befall und DON/ZEA-Belastung verringern – ergänzt durch Ackerbaumaßnahmen und regelmäßige Silageanalysen.
Vom Feld in den Trog
Fusarium-Pilze können Mais bereits auf dem Feld befallen. Die dabei gebildeten Mykotoxine wie DON gelten als hitzestabil, können Häckseln und Silierung überstehen und über die Ration in den Trog gelangen. Die Kette: Sporen befallen die Pflanze über Narbenfäden und Verletzungen, Toxine entstehen im Kolben und in der Restpflanze und können den Silierprozess überdauern. Wer das Risiko senken will, beginnt deshalb nicht erst im Silo, sondern auf dem Feld.
Infektion und Stabilität
Fusarium graminearum und Fusarium culmorum infizieren vorrangig während der Blüte über die Seide oder über Verletzungen, etwa durch Hagel oder Maiszünsler. Die Sporen überwintern auf Ernterückständen und werden per Wind oder Regenspritzern verbreitet. Feucht-warme Bedingungen in der Blüte können die Keimung fördern. Nach dem Eindringen kann sich das Myzel im Kolbengewebe ausbreiten; vor allem unter Stress wie Trockenheit oder Nährstoffmangel können DON und ZEA gebildet werden. Diese Toxine gelten als chemisch stabil: Sie können Häckseln sowie anaerobe, saure Silobedingungen überstehen – was auf dem Feld entsteht, kann in die Ration gelangen.
Tiergesundheit: Einordnung durch EU-Kommission und EFSA
Laut EU-Kommission kann das Vorhandensein von Deoxynivalenol (DON), Zearalenon (ZEA), Ochratoxin A sowie der Toxine T-2 und HT-2 in Futtermitteln ein Problem für die Tiergesundheit darstellen. Laut dem Kontaminanten-Gremium der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zählen eine reduzierte Futteraufnahme und eine reduzierte Zunahme des Körpergewichts zu den kritischen chronischen schädlichen Wirkungen von DON für Nutz- und Heimtiere. Mit der Empfehlung (EU) 2026/1801 vom 24. Juli 2026 hat die Kommission die Richtwerte für Futtermittel aktualisiert; für das Einzelfuttermittel Mais und Maiserzeugnisse sollen sie ab dem 1. Oktober 2027 berücksichtigt werden. Ob und wie stark ein Betrieb betroffen ist, hängt von Gehalt, Rationsanteil und Fütterungsdauer ab – regelmäßige Futteranalysen zeigen, ob Handlungsbedarf besteht.
Züchterische Bausteine
Vorsorge kann bereits bei der Sortenwahl beginnen. agaSAAT selektiert auf Kolbenhygiene, Stängelgesundheit und HTR-Toleranz. Kolbenhygiene meint eine zügige Abtrocknung nach Niederschlag, damit sich am Kolben möglichst keine Staufeuchte hält. Stängelgesundheit und Standfestigkeit können das Risiko von Lager und Bodenkontakt senken, Eintrittspforten reduzieren und helfen, die Pflanzen trocken zu halten. Eine ausgeprägte HTR-Resistenz und der Stay-Green-Effekt können die Blattgesundheit bis zur Ernte unterstützen und das Risiko von Notreife und sekundärem Pilzbefall senken. Maßnahmen in der Ration können die Vorsorge auf dem Feld nicht ersetzen. Die Sortenwahl ist dabei ein Baustein – zusammen mit Fruchtfolge, Bodenbearbeitung, Erntezeitpunkt, Silomanagement und regelmäßigen Futteranalysen.
Ackerbauliche Prävention und IPM
Ernterückstände gelten als wichtiges Reservoir für Fusarium-Sporen. Zerkleinern Sie Maisstoppeln intensiv (Mulchen) und arbeiten Sie sie sorgfältig ein. Eine wendende Bodenbearbeitung (Pflug) kann das Inokulum-Potenzial deutlich senken. In pfluglosen Systemen ist die schnelle Stoppelbearbeitung mit Schälfräse oder Kurzscheibenegge besonders wichtig. Weitere Risikofaktoren: Maiszünsler, Vogelschlag, Hagel und Trockenstress in der Blüte. In Regionen mit hohem Zünslerdruck ergänzen Trichogramma-Ausbringung oder Bt-Maßnahmen das Konzept.
Milchvieh-Fokus: Stärkeertrag im Blick
Für Milchviehbetriebe gilt: Über 10.000 Liter Milch pro Kuh und Jahr hat der Stärkegehalt beziehungsweise der Stärkeertrag Priorität, weil er zu hoher Futteraufnahme, schneller Passage und Energie für Pansen und Dünndarm beitragen kann. Bis 10.000 Liter zählen Restpflanzenverdaulichkeit plus Stärke. Wählen Sie Sorten mit verlässlicher Kolbenhygiene, damit Stärke möglichst mykotoxinarm in den Trog kommt. Ergänzen Sie dies durch regelmäßige Analysen auf DON, ZEA und Fumonisine und vergleichen Sie die Ergebnisse über Jahre und mit den angebauten Sorten.
PRAXIS-TIPPS
- Wählen Sie Sorten mit schneller Abtrocknung am Kolben und ausgeprägter Kolbenhygiene.
- Achten Sie auf Stängelgesundheit und Standfestigkeit, um Lager und Bodenkontakt zu vermeiden.
- Setzen Sie auf HTR-Resistenz und Stay-Green, um das Risiko von Notreife und sekundären Pilzinfektionen zu senken.
- Zerkleinern und arbeiten Sie Maisstoppeln sorgfältig ein; pfluglos mit Schälfräse oder Kurzscheibenegge.
- Reduzieren Sie Maiszünslerdruck mit Trichogramma oder Bt-Maßnahmen, besonders in Risikoregionen.
- Analysieren Sie Silagen regelmäßig auf DON, ZEA und Fumonisine und vergleichen Sie die Werte über Jahre und Sorten.
- Minimieren Sie Vogelschlag am Kolben und mechanische Beschädigungen, um Eintrittspforten zu verringern.
Zahlen sind Praxis- und Richtwerte, Wirkungen hängen von Standort, Jahr und Bewirtschaftung ab – betriebsindividuell zu prüfen.

